Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Die Gebärmutterentfernung oder Hysterektomie, ist der letzte mögliche Schritt, wenn es darum geht, ein Problem mit der Gebärmutter definitiv zu lösen. Die Entscheidung für eine Hysterektomie will immer genau überlegt sein. In gewissen Fällen ist sie eine von vielen Möglichkeiten (wie zum Beispiel bei Blutungsstörungen, Myome, Senkung oder Adenomyse/Endometriose) in anderen Fällen, wie bei bösartigen Tumoren ist es meist die einzige gute Methode zur Heilung. Es gibt verschiedene Methoden für eine Gebärmutterentfernung: Von der Scheide her, über einen Bauchschnitt oder wie heute am meisten durchgeführt, mittels Bauchspiegelung (Laparoskopie). Das ganze Thema der Hysterektomie ist sehr komplex und nicht selten mit vielen Ängsten verbunden. Im Folgenden versuchen wir hier etwas Klarheit zu schaffen. 

Ein Eintrag auf einer Webseite über Hysterektomie wird aber nie das persönliche Gespräch ersetzen können. Zu individuell und vielschichtig ist dieses Thema. 

Schema der inneren Geschlechtsorgane der Frau: Myome und Blutungsstörungen haben ihren Ursprung im Gebärmutterkörper (Corpus uteri, rot schraffiert).

Gründe für eine Hysterektomie

Blutungsstörungen

Eine unregelmässige und insbesondere starke vaginale Blutung, welche nicht selten zur Blutarmut oder Eisenmangel führt, ist ein möglicher Grund für eine Gebärmutterentfernung. Insbesondere, wenn noch Kinderwunsch besteht, wird man zuerst alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten versuchen, angefangen bei pflanzlichen Mitteln 8z.B. Mönchspfeffer), über blutstillende Medikamente, zu Hormonen und kleineren operativen Eingriffen wie z.B. die Gebärmutterspiegelung mit Entfernung von Polypen oder kleinen Myomen. Als weitere Alternative zur Hysterektomie besteht in besonderen Fällen die Möglichkeit, die innere Schicht der Gebärmutter, die Schleimhaut oder das Endometrium, zu entfernen oder mit Wärme oder Laser zu zerstören. Auch diese Methoden benötigen einen Spitalaufenthalt, die Operation ist aber kleiner. Bedenken muss man bei diesen Methoden, dass

  • Die Rezidivrate ca. 20% beträgt
  • Weiterhin eine Verhütung durchgeführt werden muss, andererseits aber
  • Keine Schwangerschaft mehr ausgetragen werden kann.
  • Die Dauer der Erholung ähnlich lange dauert wie bei einer laparoskopischen Teilentfernung (suprazervicalen Hysterektomie, siehe unten) 
  • Die Komplikationsrate vergleichbar sind mit einer Hysterektomie
  • Die Erfolgsaussichten bei einer Adenomyose des Uterus (Endometriose in der Gebärmutter) nicht gut sind.
  • Sie nicht geeignet ist bei Blutungsstörungen infolge Myome

Myome

  • Myome können beachtliche Grössen annehmen (bis Fussballgross) und dementsprechend verschieden mechanische Probleme bereiten durch den Druck, den sie auf die umliegenden Organe ausüben. 
  • Die bösartige Entartung eines Myoms ist glücklicherweise sehr selten.
  • Bei Kinderwunsch wird, wenn immer möglich versucht, von einer Hysterektomie abzusehen und nur die Myome zu entfernen, welche für die Erhaltung der Empfänglichkeit (Fertilität) nötig sind.
  • Oft ist die Gebärmutter von vielen Myomknoten durchsetzt. Die Gebärmutterentfernung ist dann (immer noch vorausgesetzt, dass kein Kinderwunsch mehr besteht) häufig die weniger invasive oder aufwendige Operation als die Entfernung einzelner Knoten. 
  • Nach einer Hysterektomie ist das Problem der Myome gelöst, was insbesondere im Hinblick auf eine spätere Hormonersatztherapie von Nutzen sein kann.
  • Erwähnt seien noch die minimalinvasiven Methoden, bei welchen die Myomknoten mittels Ultraschall, Wärme oder Verschluss von zuführenden Gefässen versucht werden zu zerstören. Diese Methoden empfehlen wir nicht aktiv, da sehr viele Frauen im Anschluss an die Operation massive Schmerzen aufweisen und die Gefahr, den Eingriff mehrere Male durchführen zu müssen, relativ hoch ist. Auch nach diesen Methoden ist es notwendig, eine Verhütung durchzuführen. Leider sind sie bis heute auch für Frauen, die noch schwanger werden möchten wegen Komplikationsrisiken bei einer Schwangerschaft, nicht zugelassen. 

Gebärmuttersenkung als Grund für eine Hysterektomie

  • Eine Gebärmuttersenkung tritt meist infolge vorausgegangener Geburten (je grösser die Kinder, je mehr Geburten und je häufiger Vakuum- oder Zangengeburt, desto häufiger eine Senkung) auf. Meist tritt sie zusammen mit einer Senkung der Blase oder des Enddarmes auf. 
  • Eine Entfernung von der Scheide her, sogenannte vaginale Hysterektomie, ist hier meist das Vorgehen der Wahl (siehe unten). 

Tumore, Krebs als Ursache für eine Hysterektomie

  • Bei einem bösartigen Tumor der Gebärmutter kommt man in den allermeisten Fällen nicht um eine Gebärmutterentfernung herum um eine Heilung zu erreichen. 
  • Je nach Lokalisation der Geschwulst, Ausdehnung und Mitbeteiligung von Lymphknoten oder anderen Organen, wird die die Hysterektomie individuell geplant. 
     

Totale Gebärmutterentfernung oder nur Teilentfernung der Gebärmutter?

Während bis vor ca. 20 Jahren in den allermeisten Fällen bei einer Hysterektomie die ganze Gebärmutter entfernt wurde, so wird heute gerne die suprazervikale Hysterektomie, also die partielle Gebärmutterentfernung ohne den Gebärmutterhals durchgeführt, sofern dies medizinisch sinnvoll ist

Gründe für eine totale Hysterektomie

  • Bei Senkungsoperationen von der Scheide her muss aus technischen Gründen immer die ganze Gebärmutter entfernt werden. (In gewissen Fällen gibt es auch die Möglichkeit, Senkungsoperationen über eine Bauchspiegelung, ohne oder mit teilweiser Gebärmutterentfernung durchzuführen)
  • Bei Krebs oder Vorstufen von bösartigen Veränderungen des Muttermundes (Cervixdysplasie oder Cervix-Carcinom)
  • Bei Krebs des Gebärmutterkörpers (sogenanntes Corpus-Carcinom)

Gründe für eine teilweise Gebärmutterentfernung

  • Blutungsprobleme
  • Myome
  • Adenomyose / Endometriose

Vorteile der totalen Hysterektomie

  • Der Gebärmutterhals als potentiell gefährlicher Ort für eine bösartige Entartung (Krebs) der Cervix ist definitiv entfernt, die Gefahr somit gebannt.
  • Die periodischen Vorsorgeabstriche (PAP-Abstrich) müssen nicht mehr durchgeführt werden.

Vorteile der teilweisen Gebärmutterentfernung

Der Gebärmutterhals liegt anatomisch in der Mitte des Beckenbodens, er durchstösst ihn sozusagen. Bei der suprazervicalen Hysterektomie wird die Gebärmutter oberhalb des Halses, das heiss oberhalb der Zervix (eben suprazervical) und somit oberhalb des Beckenbodens abgesetzt. Der Beckenboden mit seinem feinen Muskelgeflecht, den Gefässen und den Nerven wird nicht beschädigt und muss dementsprechend auch nicht wieder zusammenwachsen. Aus diesem Grunde ist diese Operation:

  • Weniger traumatisch für den Beckenboden
  • Weniger schmerzhaft nach der Operation
  • Mit weniger Komplikationen behaftet
  • Mit einer deutlich verkürzten Erholungszeit nach der Operation (ca. 2 Wochen gegenüber 4-6 Wochen nach einer totalen Hysterektomie) verbunden.
  • Einige Studien wollen auch gezeigt haben, dass es nach dieser Operationstechnik seltener zur Beeinträchtigung beim Geschlechtsverkehr kommt als bei der totalen Hysterektomie. Andere Studien zeigen aber, dass nach 6-12 Monaten kein Unterschied mehr besteht. 
     

Wie wird eine Hysterektomie durchgeführt

Es gibt 3 Wege für eine Gebärmutterentfernung:

Hysterektomie über Bauchspiegelung:

  • Heute häufigste Form der Hysterektomie, da am wenigsten invasiv und kürzere Rekonvaleszenz (Erholung) besteht.
  • Laparoskopisch (über Bauchspiegelung) ist sowohl die totale als auch die teilweise Gebärmutterentfernung möglich.
  • Hospitalisation 2-3 Tage

Hysterektomie von der Scheide her

  • Bei Senkungsbeschwerden bevorzugt
  • Keine Narben am Bauch
  • Rekonvaleszenz vergleichbar mit Operation über einen Bauchschnitt
  • Hospitalisation 2-3 Tage

Hysterektomie über einen Bauchschnitt

  • Bei sehr grossen Myomen
  • Bei Krebs
  • Hospitalisation 4-5 Tage 

Welcher Weg der Beste ist, muss immer individuell nach genauer Evaluation zusammen entschieden werden. Die Operation wird dann mittels eines Operationsprotokolls genau erklärt:

Was geschieht mit den Eierstöcken und den Eileiter?

Sofern die Eierstöcke (Ovarien) noch Hormone produzieren (und das tun sie auch noch lange nach der Menopause) und keine krankhaften Veränderungen zeigen, empfehlen wir, die Ovarien bei der Hysterektomie zu belassen. 
Anders sieht es bei den Eileitern aus: Sie produzieren keine Hormone und die Frau bemerkt den Unterschied nicht, ob die Eileiter noch vorhanden sind oder nicht. Wir wissen aber heute, dass die Eileiter für 80% der bösartigen Eierstockkrebse verantwortlich sind. Somit kann bei Entfernung der Eileiter ohne Einbusse von Hormonproduktion oder Wohlbefinden eine deutliche Verminderung des Risikos eines Eierstockkrebses erreicht werden.
 

Gibt es negative Auswirkungen der Hysterektomie wie Gewichtszunahme oder vorzeitige Alterung?

Die Gebärmutter ist ein grossartiges Organ, ermöglicht es doch ganz direkt die Entwicklung eines Kindes bis hin zur Geburt. Sie produziert aber keine Hormone, weshalb es auch keine Auswirkungen der Hysterektomie wie Gewichtszunahme oder vorzeitiger Alterung gibt (sofern die Eierstöcke belassen werden!). Klar ist aber, dass mit der Hysterektomie keine Möglichkeit mehr besteht, ein Kind auszutragen. Die wichtigste Frage vor einer Gebärmutterentfernung ist deshalb: « Möchte ich vielleicht nochmals schwanger werden?» Nur wenn diese Frage eindeutig mit nein beantwortet werden kann, ist eine Hysterektomie eine gute Methode für gutartige Störungen. Bei bösartigen Diagnosen bleibt leider häufig keine Alternative zur Hysterektomie, da das Überleben akut gefährdet wäre.


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